SAVE THE DATE: 14-16 juni

fair tale – a food installation

14-16 juni at “deAr Factory” – delbrückstr. 40, during “48 stunden neukölln”. hope to see you there!

FairTale_Rooms_LKünstler: Tainá Guedes

Arbeit: ‚Fair tale’ Installation, Lecture Performance u. Food Art

Veranstaltung: Im Rahmen von ‚48 Stunden Neukölln – A Change of Perspective!’ Berlin, Juni 2013

Release

Einführung

Es war einmal…

Eine junge Indianerin mit dem Namen Mani, Enkeltochter eines großen Häuptlings eines alten, ehrwürdigen Stammes.

Schon vom Moment ihrer Geburt an besaß Mani die sonderbare Fähigkeit laufen und sprechen zu können. Doch eines Tages verstarb sie auf ebenso sonderbare Weise, ohne vorher auch nur erkrankt oder irgendwie verletzt gewesen zu sein.

In der Tradition ihres Stammes wurde Mani in der Hütte (Bras. Port.: Oca), in welcher sie bis dahin gelebt hatte, vergraben und beerdigt. Jeden Tag kamen die Bewohner ihres Dorfes, um sie zu besuchen, an ihrem Grab zu weinen und über ihre Nöte und Sorgen, wie Krankheiten oder Hunger zu klagen.

Doch eines Tages machten sie eine sonderbare Entdeckung. In der Mitte der Hüte erhob sich an der Stelle des Grabes der jungen Indianerin eine üppige, unbekannte, mannshohe Pflanze. Das ganze Dorf kam zusammen, um sie zu betrachten.

Was für eine sonderbare Pflanze! Sie entschieden sich die Wurzel vorsichtig freizulegen, um die Pflanze aus der Hütte bringen zu können. Doch statt einer fanden sie gleich mehrere, fest im Boden verankerte Wurzeln, welche gemeinsam das kräftige, sattgrüne Blattwerk stützten.

Vorsichtig trennten sie eine der keilförmigen Wurzeln und schnitten sie auf. Zu ihrer Überraschung war sie außen dunkel wie die Nacht, doch innen von einem reinen, leuchtenden Weiß. So sahen sie in ihr ein Geschenk der Gottheit Tupã, der sich sonst nur in Form von Blitz und Donnergrollen zeigte – ein Geschenk, das Mani zum Stillen des Hungers überbracht hatte.

Sie gaben der göttlichen Wurzel den Namen ‚Mani’s Hütte’, Mani Oca oder Mandioca*, wie sie heute genannt wird.

Dt.: Maniok Quelle: Brasilianische Legende / Folklore der Tupi-Guarani Indianer.

1.2 Kontext

In Brasilien steht die Maniokwurzel seit je als Synonym für die starken, authentischen und ursprünglichen Wurzeln seines Volkes und seiner langen, weit mehr als 500 Jahre herführenden Kultur, die eben nicht erst mit der Entdeckung durch die Portugiesen im Jahre 1500 n.Ch. begann.

Im Gegenteil. Nicht der Erhalt der Kultur, sondern die Vernichtung der kulturellen Wurzeln Brasiliens und seiner Ureinwohner waren Folgen der gewaltvollen Entdeckungsreise Pedro Álvares Cabrals.

Eine Geschichte, die Brasilien mit anderen Ländern der ‚Neuen Welt’ teilt. Eine Geschichte, die sich paradoxerweise in vielen dieser Länder in zwei gegensätzliche Kapitel unterteilt: Das eine vom stolzen Widerstand gegen die Invasoren in der Vergangenheit und das andere über Verdrängung und Verneinung der eigenen kulturellen Wurzeln heute.

Ein Wechsel in der Wahrnehmung und Wertschätzung der eigenen Wurzeln, der sich, aus der Vergangenheit herausgenommen, in viele Bereiche der sozialen, kulturellen und ökonomischenGlobalisierung übertragen lässt.

Globales Leben bedingt weder einer Aufgabe der eigenen Identität, noch bedingt die eigene Identität einen monokulturellen Standpunkt. Vielmehr ist das Bewusstsein der eigenen Identität in einem multikulturellen, multikausalen Kontext gerade für die Auseinandersetzung und den Austausch mit Anderen und anderen Perspektiven von großer Bedeutung und Wichtigkeit.

1.3 Arbeit – ‚Fair tale’

Vor diesem Hintergrund präsentiert die brasilianische Künstlerin, Köchin und Aktivistin Tainá Guedes eine Arbeit, in welcher sie sich zum einen mit der Verdrängung bzw. mit dem Nicht-wahrnehmen-wollen der eigenen Wurzeln und Kultur in ihrem Land auseinandersetzt, auf der anderen Seite jedoch den Betrachter / Besucher zu direktem Dialog und eigener Reflektion einlädt.

Dabei unterteilt sich ihre Arbeit in zwei räumliche Installationen, eine Lecture Performance und ein Food Art Manifest. Als Hauptmaterial dient ihr hierbei verbindend das miniaturkugelförmige Stärkemittel Tapioka (Bras. Port.: Tapioca), welches aus der getrockneten Maniokwurzel gewonnen wird.

Bewusst wählt die Künstlerin eine veränderte, anstatt der puren Form der brasilianischen Wurzelund stellt ihr Arbeitsmaterial somit einerseits in einen direkten Bezug zu ihrer eigenen Identität als Tochter libanesischer und japanischer Einwanderer in Brasilien, andererseits in einen bildlichen Zusammenhang zu den kulturellen Entwicklungen ihres Landes:

„Nowadays you can find Cassava* and Tapioca nearly everywhere around our planet, but you will hardly find the Indian who actually discovered it – not even in Brazil.

For me, this is literally a synonym for the dramatic change of perspective regarding to what we consider our own roots or, in a global context, our country-specific values and identity.“

Tainá Guedes

Dt.: Maniok

1.4 Umsetzung

1.4.1 Branco*

Im ersten Teil betritt der Betrachter / Besucher einen weißen weiten Raum, welcher auf den ersten Blick nichts in sich zu beherbergen scheint. Erst bei näherem Begehen und sehr nahem Hinsehen entdeckt man die Namen der über 200, beinahe vollkommen ausgerotteten Indianerstämme Brasiliens, welche die Künstlerin mit Tausenden von mikroskopisch-kleinen, weißen Tapiokakugeln im Raum verteilt typografisch manifestiert hat.

Obwohl sich die Arbeit hell und klar im Raum präsentiert, erscheint sie zunächst offenbar nicht sichtbar, bzw. lässt sich oberflächlich gesehen vom Betrachter / Besucher ausblenden. Eine Wahrnehmung, die sich im Verlauf der persönlichen Auseinandersetzung ändert.

Dt.: Weiß

1.4.2 Negro*

Diese Aufforderung zum Dialog setzt die Künstlerin im zweiten Teil ihrer Installation mit einem dunklen und beklemmend kleinen Raum fort, der ohne Kleidung – also nackt – begangen und begriffen werden soll. Ein Raum ohne Perspektive, ohne Aussicht – gefüllt mit Millionen von Tapiokakugeln, die sich trotz ihrer mikroskopischen Größe bei einer Begehung schmerzhaft in die nackten Fußsohlen drücken würden.

Auch ohne sich zu entkleiden, bewirkt die Aufforderung bzw. Bedingung zum Erleben dieses Teils der Installation eine beklemmende Reflektion und veränderte Selbstwahrnehmung im räumlichen Umfeld der Ausstellung.

Dt.: Schwarz

1.4.3 Lecture Perfomance

Begleitet wird der Betrachter / Besucher anfänglich (Branco) von einer Lecture Performance, bei welcher die Künstlerin die folkloristische Geschichte (Engl.: Fairy tale) des Maniok in ihrer Heimatsprache inszeniert vorträgt.

1.4.4 Food Art Manifest

Beim Verlassen der Installation (Negro) wird dem Besucher / Betrachter von der Künstlerin eine mit Tapoika hergestellte Speise gereicht. Taste of Hope nennt sie diese Erfahrung, mit der sie zusammenfassend die Frage nach einer nachhaltigen Definition für fairen Handel (Engl. Fair trade) stellt.

text: Oliver Fuchs

the poetical sequence of the indian tribes names is from andré vallias, “totem” 2013

(i am working on a short english version of this text :O))

logo48h

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s